Sept. 06, 2026 | 5 Min lesen

Mehr als nur Ertrag – Warum Kornfeuchte über den wirtschaftlichen Erfolg entscheidet

Ein Praxisversuch aus dem Landkreis Hof zeigt, wie stark eine hochwertige T1-Vorlage den Ertrag in Wintergerste absichern kann — und wie digitale Auswertung fundierte Entscheidungen ermöglicht.

Sorten-, Feuchtigkeits-, Ertragsvergleich

📍  Versuchsstandort: LK Hoya, Niedersachsen  |  Schluffiger Lehm  |  65 Bodenpunkte  |  ø 630 mm Niederschlag  |  1.123 GDUs  |  Zielfeuchte: 14,5 %  |  Preis: 184 €/t  |  Trocknungskosten: 1,40 €/%/t  |  Schwundfaktor: 1,3

Ausgangslage

Ob in Wintergerste eine Einfachbehandlung im Fahnenblatt genügt oder eine zusätzliche T1-Vorlage nötig ist, hängt stark von Standort, Witterung und Sortenanfälligkeit ab. Praxisversuche sind deshalb besonders wertvoll, wenn sie Varianten direkt vergleichen. In Unterhartmannsreuth im Landkreis Hof wurde 2025 ein solcher Versuch auf lehmigem Sand durchgeführt. Der Standort bietet in Trockenphasen wenig Puffer — entsprechend wichtig ist ein gesunder Blattapparat für die Ertragsbildung.

Versuchsaufbau

Die Varianten wurden als Streifen im Praxisschlag angelegt und in FieldView dokumentiert. Ausgewertet wurden Applikationen, Satellitendaten zum Bestandsverlauf sowie die Ertragskarte des Mähdreschers.

Balkendiagramm der rel. Marktleistung und rel. Trockenertrag (14,5%) und Feuchtegehalt

Ergebnisse

Die Einfachbehandlung brachte gegenüber der Kontrolle ein Plus von 3,9 dt/ha. Die Strategie mit T1-Vorlage erzielte 83,4 dt/ha und lag damit 10,2 dt/ha über der Kontrolle sowie 6,3 dt/ha über der Einfachbehandlung.

Der frühe Termin am 21.04. sicherte damit mehr zusätzlichen Ertrag ab als die spätere Abschlussbehandlung allein. Gerade deshalb sollte die T1 nicht vorschnell als optionale Maßnahme betrachtet werden.

Einordnung für die Praxis

Der Effekt erklärt sich über einen vitaleren Bestand: Eine frühe Abdeckung schützt den Blattapparat, stabilisiert die Assimilationsleistung und erhält Ertragspotenzial, bevor sichtbarer Befall entsteht.

Die T1 ist damit kein reiner Sicherheitsbaustein, sondern ein eigenständiger Ertragsfaktor. Der Abschluss im Fahnenblatt kann eine fehlende Vorlage nicht ersetzen.

Wirtschaftlichkeit

Der Mehrertrag von 6,3 dt/ha muss den zusätzlichen Mittel- und Überfahrtskosten gegenübergestellt werden. In diesem Versuch überstieg der Erlöszuwachs die Zusatzkosten klar; die betriebsindividuelle Rechnung bleibt dennoch entscheidend.

Mehwert der digitalen Auswertung

Der größte Nutzen liegt in der betriebsnahen Entscheidungsgrundlage: Streifen lassen sich digital sauber abgrenzen, im Vegetationsverlauf beobachten und über die Ertragskarte variantenscharf auswerten. So wird die passende Fungizidstrategie am eigenen Schlag sichtbar.

Fazit

Der Versuch zeigt deutlich: Eine hochwertige Fungizidvorlage in T1 kann in Wintergerste erheblich Ertrag absichern. Wer die optimale Strategie für den eigenen Standort finden will, sollte Varianten anlegen und digital auswerten.

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